Darmbakterien

Die Rolle der Lebewesen im Darm wurde lange Zeit unterschätzt. NAch Schätzungen haben wir 30 Billionen Körperzellen, und 39 Billionen Darmbakterien (früher wurden viel mehr geschätzt, aber da hat man die Anzahl auf den gesamten Darm gerechnet, obwohl sie ganz überwiegend nur im Dickdarm leben). Zusätzlich gibt es noch 390 Billionen Viren, sogenannte Phagen bzw. Bakteriophagen, die diese Darmbakterien befallen können. Sie sind noch gar nicht richtig erforscht. Allerdings behandelt man in Russland und Georgien schon seit vielen Jahren mit bestimmten Phagen, die von der Industrie hergestellt werden, bakterielle Infektionen. Und am Ende gibt es auch noch einen kleinen Anteil von Hefepilzen.

Die Darmbakterien beginnen die Besiedelung entweder schon während des Geburtsvorgangs oder nach Kaiserschnitt dann innerhalb der ersten Monate bis zum Alter von 3 Jahren.

Die Darmbakterien haben sich über Millionen von Jahren an die Wirtsorganismen angepasst. Sie können Stoffe freisetzen, die Hunger machen. Aber sie können auch Sättigungsgefühle vermitteln oder das Verhalten beeinflussen, z.B. bei Alkoholabhängigkeit und Abstinenz die Impulskontrolle (um nicht mehr zu trinken) verschlechtern. Und es gibt zunehmend Befunde, dass falsche Darmbakterien auch für eine Reihe von Autoimmun-Erkrankungen mit verantwortlich sind. Z.B. entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, aber neuere Befunde ergeben auch Hinweise auf eine Beteiligung bei der Entstehung von Multipler Sklerose (MS), endogenem Ekzem und Asthma bronchiale.

Schließlich wurde bei Menschen in manischen Phasen bei manisch-depressiver Erkrankung ein Einfluss von Darmbakterien auf sogenannte clock-Gene hypothetisiert, worüber u.a. die Bildung der Monoaminooxidase (MAO-A) reguliert wird, die wiederum den Spiegel von Noradrenalin und Serotonin in den Nervenzellen im Gehirn beeinflusst, weil sie diese Botenstoffe abbaut.